Ich werde in der letzten Zeit so oft gefragt, wie gehe ich gegen „invasive Killer“ vor? Gerade habe ich mein Buch „Oasen in Düsseldorf“ veröffentlicht und über Düsseldorfs Biodiversität berichtet, und zum Schutz unserer Flora & Fauna aufgerufen, da ist die Sorge berechtigt. Heimische Arten schützt man jedoch nicht durch wahlloses Töten vermeintlicher „Feinde“, sondern durch richtige Bestimmung, schnelle Meldung, gezielte fachliche Maßnahmen und die Stärkung der heimischen Lebensräume.
Gerade der Begriff „invasive Killer“ kann unbeabsichtigt Schaden anrichten. Er fördert die Vorstellung, jedes fremd wirkende Tier müsse beseitigt werden. In Düsseldorf handelt es sich bei beobachteten Hornissen nach Angaben der Stadt weiterhin überwiegend um die heimische Europäische Hornisse. Sie ist besonders geschützt und wird leicht mit der Asiatischen Hornisse verwechselt.
Nicht jede gebietsfremde Art ist invasiv
„Gebietsfremd“ bedeutet zunächst nur, dass eine Art durch menschlichen Einfluss außerhalb ihres ursprünglichen Verbreitungsgebietes vorkommt. Als invasiv gilt sie erst, wenn sie nachweislich erhebliche Schäden für Arten, Lebensräume oder Ökosysteme verursacht oder erwarten lässt.
Das Bundesamt für Naturschutz weist darauf hin, dass sich die meisten bereits in Deutschland vorkommenden gebietsfremden Arten in die Ökosysteme integriert haben. Eine Bekämpfung ist vor allem dort gerechtfertigt, wo seltene Arten, wertvolle Lebensräume, der Naturhaushalt, die Gesundheit oder wirtschaftliche Tätigkeiten konkret gefährdet sind.
Das ist wichtig für eine glaubwürdige Artenschutzarbeit: Nicht Herkunft oder Aussehen entscheiden über eine Maßnahme, sondern das nachgewiesene ökologische Risiko.
Was bedeutet das bei der Asiatischen Hornisse?
Die Asiatische Hornisse erbeutet Honigbienen, Wildbienen, Wespen, Fliegen und weitere Insekten. Untersuchungen aus bereits stark besiedelten europäischen Gebieten deuten außerdem darauf hin, dass ihre Anwesenheit den Besuch von Blüten und damit in bestimmten Fällen die Bestäubung und Samen- oder Fruchtbildung vermindern kann. Die Bedrohung der Flora erfolgt daher überwiegend indirekt über die Bestäuber. Gleichzeitig stellt das nordrhein-westfälische Landesamt ausdrücklich fest, dass die Auswirkungen auf gefährdete Wildbienenarten und auf die Europäische Hornisse noch nicht abschließend geklärt sind.
Diese Unsicherheit bedeutet weder Entwarnung noch Panik. Sie bedeutet: beobachten, Daten sammeln, Schäden bewerten und dort eingreifen, wo die Maßnahme nachweislich mehr schützt als zerstört.
Seit 2025 wird die Asiatische Hornisse in Deutschland als weit verbreitete Art nach Artikel 19 der EU-Verordnung behandelt. Damit geht es nicht mehr um die realistische Erwartung, sie überall vollständig auszurotten. Stattdessen sollen Auswirkungen durch ein abgestuftes Management begrenzt werden, wobei Nutzen, Kosten und mögliche Kollateralschäden berücksichtigt werden müssen.
Die wirksame Schutzkette
1. Zuerst bestimmen, nicht zuerst töten
Bei einer verdächtigen Hornisse:
- aus sicherer Entfernung fotografieren oder filmen,
- Standort, Datum und Uhrzeit festhalten,
- bei mehreren Beobachtungen die Flugrichtung notieren,
- ein vermutetes Nest nicht berühren, erschüttern oder aus der Nähe untersuchen.
Typisch für die Asiatische Hornisse sind der überwiegend dunkle Körper, eine breite orangefarbene Hinterleibsbinde und gelbe Fußenden. Eine Bestimmung nur nach Größe ist unsicher.
2. Jeden begründeten Verdacht melden
Funde in Düsseldorf sollten mit Foto im Neobiota-Portal NRW gemeldet werden. Zusätzlich kann die Untere Naturschutzbehörde Düsseldorf informiert werden:
Telefon: 0211 89-94800
E-Mail: unb@duesseldorf.de
Die Behörde beziehungsweise von ihr einbezogene Fachleute können die Art bestimmen und entscheiden, ob eine Nestsuche oder Entnahme naturschutzfachlich sinnvoll ist.
3. Keine allgemeinen Insektenfallen aufstellen
Flaschenfallen mit Bier, Saft, Zucker oder anderen Lockstoffen erscheinen zunächst hilfreich, sind aber meist nicht selektiv. Sie fangen auch Wildbienen, Schwebfliegen, Schmetterlinge, Wespen und die geschützte Europäische Hornisse.
Das Landesamt NRW weist darauf hin, dass die derzeit handelsüblichen Fallen häufig heimische Insekten töten. Ihr Einsatz ist deshalb ohne Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde nicht zulässig und kann gegen das Naturschutzrecht verstoßen.
Das ist ein zentraler Punkt für den Biodiversitätsschutz:
Eine Falle, die einige Asiatische Hornissen fängt, aber gleichzeitig zahlreiche heimische Bestäuber tötet, kann ökologisch mehr Schaden verursachen als Nutzen bringen.
Locktöpfe zur Beobachtung, Markierung und Nestsuche sind etwas anderes als Tötungsfallen. Solche Methoden sollten in koordinierter Form von geschulten Personen eingesetzt werden.
4. Nester gezielt und professionell entfernen
Ein gefundenes Nest darf nicht mit Feuer, Wasser, Insektenspray, Stangen oder selbst gebauten Geräten bekämpft werden. Vor jeder Entnahme muss die Art zweifelsfrei bestimmt sein. Die Entfernung gehört in die Hände geschulter Imkerinnen und Imker, sachkundiger Schädlingsbekämpfer oder anderer beauftragter Fachkräfte.
Ökologisch entscheidend ist nicht das Töten einzelner Arbeiterinnen, sondern das rechtzeitige Unterbrechen der Fortpflanzung. Nach Angaben des Landesamtes ist die Nestsuche und Entnahme besonders bis etwa Mitte September wirksam, bevor zahlreiche Geschlechtstiere und neue Königinnen ausfliegen.
5. Heimische Populationen widerstandsfähiger machen
Die Bekämpfung einer invasiven Art allein rettet noch keine Biodiversität. Heimische Arten benötigen weiterhin:
- zusammenhängende und unversiegelte Lebensräume,
- heimische Blühpflanzen vom Frühjahr bis in den Herbst,
- strukturreiche Gärten, Parks und Waldränder,
- Laub, Totholz, alte Bäume und natürliche Nistmöglichkeiten,
- möglichst geringe Belastungen durch Pestizide,
- Rückzugsräume, in denen nicht ständig gemäht oder „aufgeräumt“ wird.
Die Stadt Düsseldorf empfiehlt unter anderem heimische Blühpflanzen, Wildblumenwiesen, Stauden, Obstbäume, Nisthilfen und Laubhaufen. Das stärkt nicht nur einzelne Arten, sondern ganze Nahrungsnetze.
Auch die Ausbreitungswege verhindern
Artenschutz beginnt oft, bevor eine invasive Art überhaupt auftaucht. Deshalb sollten Gartenabfälle niemals in Parks, Wälder oder an Gewässerränder gebracht werden. Aquarientiere, Teichpflanzen oder exotische Haustiere dürfen nicht ausgesetzt werden. Bei Erdarbeiten, Gartenpflege und Transporten sollte darauf geachtet werden, keine Samen, Wurzelstücke, Eier oder Tiere unbeabsichtigt weiterzuverbreiten.
Das Bundesamt für Naturschutz nennt Prävention, Früherkennung und Management als die drei grundlegenden Ebenen. Je früher eine problematische Art erkannt wird, desto größer sind die Erfolgschancen und desto geringer sind normalerweise Aufwand und ökologische Begleitschäden.
Meine Haltung als Autor und Artenschützer
Wenn ich darauf angesprochen werde, werde ich meinen Standpunkt so zusammenfassen:
Unsere heimischen Tiere und Pflanzen schützen wir nicht durch blinden Aktionismus. Wir müssen invasive Arten sicher bestimmen, ihre Ausbreitung dokumentieren, Beobachtungen schnell melden und problematische Bestände gezielt durch Fachleute entfernen lassen. Gleichzeitig müssen wir die heimischen Lebensräume stärken. Artenschutz bedeutet nicht, alles Fremde zu töten, sondern nach wissenschaftlichen Kriterien genau dort zu handeln, wo unsere biologische Vielfalt tatsächlich bedroht wird.
Für die Asiatische Hornisse lässt sich die Botschaft noch kürzer formulieren:
Fotografieren, melden, Abstand halten – keine privaten Fallen und keine eigenmächtige Nestzerstörung!